Das
Leben vor Gott in Worte zu fassen
Wegen seiner kritischen Stellungnahmen war Jörg Zink nicht nur der Kirche unbequem. 1950 demonstrierte er als erster Kirchenmann Württembergs gegen die Wiederaufrüstung, 1965 drehte er den ersten Film über die Umweltzerstörung (das Thema fand der Sender damals langweilig), in den 80er Jahren engagierte er sich in der Friedens- und Ökologiebewegung. Sein Unbehagen an Zuständen in Kirche, Politik und Gesellschaft hat er immer deutlich formuliert. Dabei ging es ihm nie um eine Option für rechts oder links, für konservativ oder sozialistisch, sondern immer um den Versuch, ein ganzer Mensch zu sein, ein Christ, der mit seinem Glauben hinter dem steht, was er tut. Das bewies er nicht zuletzt bei seinen Auftritten auf den Kirchentagen oder als "Fernsehpfarrer", wenn er das "Wort zum Sonntag" sprach und dabei Stellung zu aktuellen und brisanten Fragen bezog: "Ich habe mit zwei Jahren meine Eltern verloren und wurde dann in vielen Häusern herumerzogen, mal so, mal so. Damals habe ich mir geschworen: Mich erzieht keiner! Und deshalb bin ich ein sehr schwieriges Kind gewesen. Aber das hat sich später oft bewährt. Daß ich gelernt hatte, zunächst einmal meinen eigenen Standpunkt zu suchen und dann erst die Übereinstimmung mit anderen. Und das habe ich bis heute beibehalten ..."
Ein anderes wichtiges Anliegen von Jörg Zink ist die "Wiederentdeckung der mystischen Dimension"; in der Mystik sieht er die eigentliche, nicht versiegende Quelle des Glaubens. Der Band "Atem der Freiheit", der anläßlich des 80. Geburtstages neu erschienen ist, verdeutlicht, inwiefern mystische Texte aus allen Religionen und Kulturen Zinks Denken und Lebenswerk geprägt haben. Gesine von Prittwitz
Lesen Sie mehr: eine kleine Biographie von Jörg Zink chrakteristische Novitäten eine Übersicht von Werken Jörg Zinks (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) |